Fotografie, Beauty-Retusche und der Kindergarten des gekränkten Egos
Willkommen in der wunderbaren Welt der Fotografie, wo Models posieren, Fotografen abdrücken, Visagisten pinseln und Bildbearbeiter… nun ja, mit Photoshop alles zunichte machen, was davor mühsam aufgebaut wurde. Das nennen sie dann „Beauty Retusche“ – als wäre das Bild vorher hässlich gewesen.
„Kritik? Nein danke, ich blockiere lieber.“
Kaum wagt es ein professioneller Bildbearbeiter oder Fotograf, eine vorsichtige Anmerkung zu machen à la „Vielleicht könnte man das Gesicht so bearbeiten, dass es noch menschlich aussieht?“, beginnt der Kindergarten.
- Stufe 1: Passiv-aggressive Kommentare in privaten Gruppen (natürlich ohne die kritische Person zu markieren, versteht sich).
- Stufe 2: Screenshot und Empörungspost mit „Ich lasse mir meine Kunst nicht schlechtreden!!! 😤🔥 #HatersGonnaHate“
- Stufe 3: Blockieren, weil erwachsene Gespräche über Qualität und Ästhetik offenbar anstrengender sind als ein Photoshop-Gausscher Weichzeichner.
Warum die Retusche so aussieht, als hätte man Vaseline auf den Bildschirm geschmiert
Es gibt einen geheimen Kult in der Fotografie-Szene: Die „Schöner als schön“-Fraktion. Ihre heilige Mission? Haut so glatt zu ziehen, dass selbst eine Barbie daneben aussieht wie eine Straßenkarte. Dabei entstehen kreative Meisterwerke wie:
- Porzellan-Portraits: Weil menschliche Hauttextur völlig überbewertet ist.
- Glanz, der blendet: Warum nur Stirn und Wangenknochen betonen, wenn man das ganze Gesicht aussehen lassen kann wie eine frisch polierte Bowlingkugel?
- Der „Kein-Nasenloch-Filter“ – weil Atmen überbewertet ist.
„Aber meine Kunst!“ – Wenn Kritik als Angriff gewertet wird
Anstatt konstruktives Feedback zu nutzen, um das eigene Handwerk zu verbessern, drehen viele den Spieß um: Kritik ist kein Anstoß zur Reflexion, sondern ein persönlicher Angriff. Wer es wagt, sanft darauf hinzuweisen, dass Menschen Hauttextur haben, wird zum Feind erklärt.
Lösung? Natürlich nicht die Verbesserung der Technik, sondern möglichst viel Drama:
- „Ich werde nie wieder retuschieren!“ (Spoiler: doch.)
- „Warum sind alle so gemein?“ (Weil wir Augen haben.)
- „Ich mache das nur für mich!“ (Und trotzdem werden 500 bearbeitete Selfies in die Welt hinausgeschrien.)
Fazit: Es ist okay, Fehler zu machen – aber nicht, Kritik als persönliche Beleidigung zu sehen
Fotografie ist Kunst, Bildbearbeitung ist ein Handwerk. Wer beides kombiniert, kann Großes schaffen – oder aber die digitale Version eines Schaufensterpuppen-Gesichts erzeugen. Und wenn jemand das freundlich anspricht? Vielleicht einfach mal zuhören. Blockieren kann man später immer noch. 😉

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Rege Dich nicht auf, lohnt sich nicht. Narzißten wirst Du mit Argumenten nie überzeugen, erst recht nicht, wenn sie erkennen, daß Du recht hast. Abwehr zur Rettung des eigenen Egos gehört zum Störungsbild, das korreliert umgekehrt mit der Intensität der Störung (und als Psychiater weiß ich, von was ich rede 😉 )Der Hype geht von alleine wieder vorbei. Viele Grüße, Ruth
Ah ja, Narzissten mit Argumenten zu überzeugen ist ungefähr so effektiv wie einem Goldfisch das Konzept der Steuererklärung zu erklären – am Ende schaut er dich nur glubschäugig an und macht weiter Blasen. Aber gut, wenn der Hype von alleine vergeht, dann sitze ich hier einfach entspannt mit Popcorn und schaue zu, wie sich die Experten der gekränkten Eitelkeit selbst zerfleischen. Vielleicht eröffne ich eine Selbsthilfegruppe für all die Blockierten – Motto: ‚Zu viel Realität für fragile Seelen‘.
Der Vergleich mit dem Goldfisch ist cool, trifft es aber völlig. Andererseits sehe ich unschwer, daß Du das dahinterliegende Konzept absolut verstanden hast und ich mir nicht um psychische Folgeschäden bei Dir Sorgen machen muß. Das beruhigt mich sehr. Selbsthilfegruppe bringt nix. Jeder Narzißt leidet maximal (auch darin ist er uneingeschränkter Weltmeister), scheut dabei aber die Erkenntnis, daß andere ggf. noch mehr oder gar unter ihm leiden.
Solange Du bei Popcorn bleibst und Dir das nicht zu Herzen nimmst, ist alles im grünen Bereich. Falls Du es Dir anders überlegst, wende Dich gerne an mich. Ich habe eh noch eine Einladung nach Österreich offen. Dann könnte ich auch mal eine Therapiesitzung bei Dir einschieben.
Viele Grüße, Ruth
Beruhigend, dass meine geistige Unversehrtheit bestätigt ist – in einer Welt, in der ein ehrlicher Kommentar gefährlicher ist als ein Spoiler zum Staffelfinale. Die Selbsthilfegruppe hätte sowieso nicht funktioniert – Narzissten haben schließlich nur ein Problem mit Gruppen: dass es noch andere Menschen gibt.
Aber gut, ich bleibe beim Popcorn und genieße die Show. Falls es zu viel wird, einfach Vaseline auf die Brillengläser schmieren und es als ‚Beauty Retusche fürs echte Leben‘ verkaufen. 😌
Ich mag Deinen Humor und Deinen Pragmatismus & ich werde Deine Einschätzungen zu Narzißten als Ergänzung zu den künftigen Überarbeitungen des ICD 10 und 11 wohlwollend vorschlagen. Allerdings eine Einschränkung hinsichtlich der Vaseline auf der Brille: damit bitte nicht am Straßenverkehr teilnehmen- die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer hat Priorität vor Beauty Retusche. Ich klinke mich jetzt aus, muß arbeiten. Bis demnächst, R.
Freut mich, dass meine bescheidenen Einsichten bald Einzug in die ICD-Klassifikation halten – endlich werde ich medizinisch anerkannt! 🏆 Und keine Sorge, die Vaseline bleibt auf der Brille und fern vom Straßenverkehr. Wäre ja tragisch, wenn ich aus Versehen jemanden mit meiner ‚Beauty-Retusche für die Realität‘ von der Straße fege. Bis dahin beobachte ich weiterhin fasziniert, wie sich Narzissten in freier Wildbahn selbst therapieren – mit Blockieren und passiv-aggressiven Instagram-Storys. Viel Spaß bei der Arbeit!